Der Siechhof in Eichstätt Geschichte (2)

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Die Geschichte des Siechhofs (2)
 
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"Spenden für die Siechhofstiftung werden nach 1400 auffallend rückläufig. Möglicherweise veränderte sich der ursprüngliche Zweck der Stiftung, die Aufnahme und Versorgung Seuchenkranker immer mehr in Richtung Aufnahme von Pfründnern, die sich übrigens in die Stiftung einkaufen mußten.

1606 (15. Dezember): eine Bestätigung dieser Annahme kann in einer »Verkündigung« des Eichstätter Bürgermeisters Michael Mayer gesehen werden, der als Unterpfleger des Bruderhauses St. Sebastian verordnete, daß ein gewisser »...Caspar Biesenharder, Insass der kapitlischen Pfründ im Bruderhaus, der offensichtlich mit dem Aussatz behaftet ist, dort länger nicht könnte geduldet werden und dafür zu halten ist, daß er sich zu Nürnberg behausen ließe...«. In Nürnberg also und nicht mehr im stadteigenen Siechhaus!

In diesem Zusammenhang ist auch eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1705 interessant. In einem »Seelenbeschrieb« der Pfarrei Unserer Lieben Frau, zu Ostern angefertigt, sind auf Seite 24 unter Suburbia Hospitalis (Spitalvorstadt) ein Mathias Escher, Siechenbauer, mit fünf Personen im Haushalt und ein Heinrich Erdrich, Siech, mit ebenfalls fünf Familienangehörigen genannt.
Es erscheinen keine Pfründner, was auf Grund der oben dargestellten historischen Daten zumindest erstaunlich ist.
  

Siechhof 1815 Der Siechhof auf einer Stadtansicht aus dem Jahre 1815 von Dismas Bachmeier, der 1851 abgebrochende Stadel an der Ostseite der Anlage ist deutlich sichtbar
1740 (4. Juni): noch Befremdlicheres ist einem Kontraktenprotokoll dieses Datums zu entnehmen.
Ich zitiere die mir für die Problematik des Siechhauses relevant erscheinenden Passagen wörtlich:
»Wir, Bürgermeister und Rath der Hochfürstlichen Residenzstadt Eychstätt urkunden hiermit...damit die Leprosen beser besorget sind, daß wir unserm Innern Ratsmitfreund, Herrn Joseph Brein, den bey der St. Magdalenen Capellen gegen der Saumill zu liegenden vulgo genannten Siechhoff mit aller Ein und Zugehör als einem Krautland so an dem Hof gegen Ihrer Gnaden Herrn Obrist Jägermeister Lusthaus und dermalen noch ohnangepflanzter lieget, wohin jedes Jahr denen Leprosen die Hälfte Kraut ohnentgeltlich gegeben werden muß, einem Acker hinter dem Hopfenberg...« (es folgen sämtliche der Stiftung gehörenden Äcker und Wiesen, Vieh, Haushaltsgeräte).»...für sechs oder nach seinem Belieben auf 12 Jahre in Bestand überlassen...«.
Dafür verpflichtet sich Brein, von zwei Kühen den Leprosen die Nutznießung und jährlich 165 Holzfuhren zu überlassen. Außerdem muß Brein neben einigen anderen Diensten durch seinen Knecht »...einen Malefikanten, der selber nit gehen kann, zu dem Richtplatz und von dort aus den entseelten Cörper auf den Friedhof bringen lassen... «.

Die städtische Stiftung geht also sechs oder zwölf Jahre in private Hände über, in die des Inneren Ratsmitglieds Joseph Brein, und dies, damit die Leprosen »besser besorget sind«. Offenbar gab es Unzufriedenheiten mit dem wirtschaftlichen Betrieb des Siechhofes. Näheres über diese Probleme ist dem Dokument allerdings nicht zu entnehmen. Völlig erstaunlich sind die Aufgaben des Siechhofknechtes, die der Rat der Stadt dem zeitweisen Eigentümer Joseph Brein überträgt. Malefikanten, d.h. zum Tode Verurteilte, die selbst nicht gehen können, sollen vom Knecht zum Richtplatz (auf dem Galgenberg) und die Leichen der Hingerichteten dann auf den Friedhof befördert werden.

Nun wurden im Bereich der Wiese neben dem Siechhofgelände wirklich Menschenknochen gefunden. Die Vermutung, daß die verstorbenen Siechen und die Hingerichteten nicht auf den allgemeinen Friedhöfen, sondern außerhalb der Gemeinschaft beerdigt wurden, kann nicht vollständig von der Hand gewiesen werden. Dagegen spricht allerdings ein Verbot des Fürstbischofs vom 30. Juni 1604 »... die Leichen der Vorstadt in die Spitalkirche zu verbringen, inclusive der Sondersiechen und von hier aus durch die Pfarrgeistlichkeit U. L. Frau abzuholen... «.

Eine Klärung dieses Problems ist bis jetzt nicht möglich. Es gibt also noch einiges zu erforschen in der Geschichte des Siechhofs."

Soweit die Ausführungen von Magdalena Schick.

 
Quelle:
Magdalena Schick: Spitalvorstadt Eichstätt, Enhalb der Pruckh - Jenseits der Brücke, Siedlungs- und Sozialgeschichte, Historischer Verein Eichstätt 2000, S. 203-205

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